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Der Ort

Diese Seite wurde dem Verein für Katzenfurter Heimatgeschichte e.V. übertragen.

 
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Evangelische Kirche in Katzenfurt

Frühe Geschichte des Ortes Katzenfurt im Kirchspiel Dillheim

Entstehung des Kirchspiels Dillheim

Um die ersten Siedlungen in unserer Heimat, bildeten sich kleinere Marken, die die schon gegründeten Niederlassungen umfassten. So wird auch im Jahre 1255 von einer Mark Kaczenfurt berichtet, am Ehringshäuser Bahnhof befand sich die Mark Barcdorf. In diesen Marken müssen wir die Ursprünge der heimatlichen Geschichte, auch der kirchlichen, suchen. Zur Zeit Karls des Großen ist Germanien in Gaue eingeteilt an deren Spitze die vom König eingesetzten Gaugrafen residierten. Deren Aufgabe war es, Steuern einzutreiben, den Vorsitz bei Gericht zu führen und Mannschaften auszuheben. Als Belohnung empfingen sie Lehen, die später erblich wurden. Unsere Heimat gehörte zum Lahngau, an dessen Spitze stand ein Gaugraf aus dem Hause der Salier. Später waren es die Grafen  von Gleiberg und nach deren Aussterben die Grafen aus dem Hause Merenberg. Jeder Gau  bestand aus Unterbezirken, den Centen. Diese bildeten eine Verwaltungseinheit im weltlichen und kirchlichen Sinn. Den Mittelpunkt bildete das Gericht, wo das Thing, die Versammlung der waffenfähigen Bevölkerung gepflegt und Recht gesprochen wurde. Einer dieser Gerichtsorte war Dillheim. Über die Frühzeit christlicher Geschichte in unserer Heimat ist nichts bestimmtes bekannt. Der ehemalige Pfarrer von Dillheim, Heinrich Läufer, schreibt in der Festschrift 700 Jahre Kirchspiel Dillheim: Möglich ist, dass von der Verkündigung des Lubertius her, der im 4. Jahrhundert an der unteren Lahn predigte und in Dietkirchen bei Limburg ein Bethaus stiftete, einzelne Träger christlichen Glaubens in unseren Kreis kamen. Wahrscheinlicher ist aber, dass durch die Tätigkeit des Bonifatius, der anno 738 von Papst Gregor III jenes berühmt gewordene Schreiben an die Bewohner von Thüringen und Hessen, der Wetterau, Lahn und des Westerwaldes empfing, also hier gepredigt haben muss, unsere Väter sich zum christlichen Glauben bekehrten. Infolge der Missionstätigkeit des Bonifatius trat das von ihm erschlossene Gebiet in eine kirchliche Verbindung mit dem Erzbistum Mainz. Später aber kam der Bereich des Dekanats Wetzlar zum Erzstift Trier.  

Reformation  

Die Reformation in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts verlief ziemlich undramatisch. Nach dem Prinzip von Cuius Regio Eius Religio war festgelegt worden, dass die Konfession der Landesherren auch das Bekenntnis der Bevölkerung in der jeweiligen Landesherrschaft bestimmte, so auch in Dillheim, das zu den Solmser Landen gehörte. Im Knochschen Staatsrecht des Hauses Solms heißt es: "Diese Linie hat Anno 1555 ihre Lande vermutlich durch Gernand Superintendenten zu Braunfels welcher Anno 157? Oberrechtssekretär in Religiösen Sachen. Dem Friedberger Geistlichen Convent Beygewohnet zu reformieren und also die Evangelisch Lutherische Lehre einzuführen angefangen." Zu dieser Zeit regierte im Solmser Land Graf Bernhard III (1504-1547) in Braunfels. Er war seinem Vater Graf Otto II gefolgt. Graf Otto stand bei den Kaisern Friedrich III und Maximilian in hohem Ansehen. Dieses Ansehen übertrug sich auf seinen Sohn Bernhard. Graf Bernhard III hielt sich bei der Reformation sehr zurück, waren doch Familienmitglieder im Dienste des Kaisers. Brüder und Söhne befanden sich in hohen kirchlichen Stellen, sein Sohn Otto war Domherr in Mainz, Straßburg und Köln und zugleich Pastor in Dillheim. Graf Bernhard war wie sein Vater Mitglied im Wetterauer Grafenverein, dessen Mitglieder in kurzer Zeit fast alle evangelisch wurden. Auf dem Reichstag zu Speyer 1526 gehörte er zu den Fürsten die "die Gestattung der Priesterehe und des Laienkelchs, die Ermäßigung der Fasten und des Beichtzwangs, den Gebrauch der lateinischen und der deutschen Sprache bei der heiligen Taufe und dem Abendmahl und die kostenlose Darreichung der übrigen Sakramente billigten und die Predigt des Wortes nach rechtem, Wahren Verstande" empfahlen. Sein früherer Hofkaplan und Pfarrer in Dillheim, Johannes Zaunschliffer, nahm 1529 an dem Marburger Religionsgespräch teil, wo er 1530 starb. Die aus den Nachbarländer eindringenden Einflüsse machten sich im ganzen Solmser Land bemerkbar und nach und nach wurde die katholische Messe abgeschafft. Das Abendmahl wurde anfangs noch in beiderlei Gestalt ausgeteilt. Die Pfarrer waren die treibenden Kräfte. So war ohne die Mitwirkung der Obrigkeit in wenigen Jahren die evangelische Lehre im Solmser Land ausgebreitet worden. Der zunehmende Einfluss des Calvinismus im Bereich der Wetterauer Grafen spalteten die Evangelischen in Lutheraner und Calvinisten. So geriet Solms Braunfels durch den Wetterauer Grafenverein einerseits und durch die Verbindung zu den Dillenburger andererseits, immer mehr auf die Linie des Calvinismus. So trat das Solmser Land unter Graf Konrad 1582 zu den Reformierten (Calvinisten) über.

Der Ort Katzenfurt

Kirche vor 1900, Kirchenschiff und Turm noch ohne AußenputzDie Ersterwähnung des Namens Katzenfurt erscheint im Jahre 1233 in einer Urkunde, in der Hartrad Herr zu Merenberg mit seiner Gemahlin, Kindern und Verwandten dem Kloster Arnsburg Güter in Holzheim verkauften. Neben den Richtern und Schöffen wird ein Heinrich von Kaczenfurt als Bürgerzeuge genannt. Zu dieser Zeit hat vermutlich der steinerne Teil des Katzenfurter Kirchturms schon gestanden. Dafür spricht jedenfalls seine spätromanische Ausführung. Er trug eine andere, wahrscheinlich eine einfache niedrige Spitzhaube.

Zu dieser Zeit war "Rudolf von Garbenheim" Magister und Scholaster am Kollegialstift in Wetzlar und zugleich Pastor Primarius der seinerzeit bedeutenden Pfarrei Dillheim, wenngleich er sich dort und in den Kirchen und Kapellen der Dörfer, die zum Kirchspiel Dillheim - also auch Katzenfurt - gehörten, von einem sogenannten Plebanus (Landpriester) und Kaplanen vertreten ließ. Dillheim gehörte zum Dekanat (Archipresbyterat) Wetzlar. Das Dekanat Wetzlar unterstand unmittelbar dem Archidiakonat Dietkirchen und damit der Erzdiözese Trier.

Unter den namentlich bekannten Nachfolgern im Pfarramt waren mehrere Adelige und Grafen von Solms, die als Geistliche anderswo hohe Würden bekleideten und sich in Dillheim jeweils vertreten ließen, so 1349 Heinrich Graf zu Solms, Domherr zu Köln und Mainz, 1476 Jakob von der Pfalz und 1520 Otto Graf zu Solms. Die Ursprünge der Katzenfurter Kirche liegen im Dunkel der Geschichte. Die bei der Renovierung der Kirche 1994 gefundenen Fresken im Turm geben ein Rätsel auf, die auf die Bedeutung der Kirche schließen lassen. Warum wurden in einer Dorfkirche Materialien verwendet, die es hier und auch in der näheren Umgebung nicht gibt, zum Beispiel Tuffstein aus der Eifel für den Putz, oder Kupfervitriol bei den Malereien? Kirche 1949 nach RenovierungUm 1460 bis zur Reformation gab es in der Nähe von Drommershausen und Hirschhausen ein Kloster mit einer großen Wallfahrtskirche, der Pfannstiel genannt. Dieser Ort hatte für die Weilburger Region eine große Bedeutung erlangt. 1461 wurde die Kirche "unserer lieben Frau und St. Johannis geweiht". 1489 wurde der gesamte Bau ein Raub der Flammen und brannte bis auf die Grundmauern nieder. Von 1479 bis 1496 war ein Hermann von Katzenfurt  Prior in diesem Kloster. Ein Bittbrief zum Wiederaufbau der Kirche ist versiegelt worden von: "Elisabeth der Landgrefin, von Phillipsen Grafen zu N.S. und von Kormann von Catzenfurt, Statthalter des Gottshaus im Panstill".

In den Kirchenbüchern von Dillheim finden sich folgende Einträge: In der evangelischen Kirche in Katzenfurt wurde das am 31.7.1644 verstorbene Kind des Johann Carl Weber beerdigt. Und am 21.10.1648 das verstorbene 4 Wochen alte Kind des Hans Carl von Katzenfurt beerdigt.

Bei den Ausschachtungsarbeiten 1964 für die Heizschächte im alten Kirchturm fanden die Bauarbeiter der Firma Rinker Knochenreste. Helmut Weber aus Katzenfurt, der bei den Bauarbeiten mit dabei war, berichtet: Plötzlich schlug uns ein süßlicher Geruch entgegen. Die Erde war ganz locker, so dass wir sie ganz vorsichtig abtragen konnten. Wir fanden dann ein noch vollständiges Gebiss mit Knochenresten. Die Lage des Leichnams war ganz deutlich zu erkennen. Sie zeichnete sich weiß von der umgebenden Erde ab. Bei der weiteren Suche wurden noch Teile eines weiteren Leichnams gefunden. Die Reste der gefundenen Leichname wurden von Mitarbeitern der Firma Rinker gesammelt und auf Anweisung von Pfarrer Martin Schmidt im Turm hinter dem Heizungsschacht bestattet. Bei den Leichenüberresten handelte es sich um den lutherischen Hofprediger in Greifenstein, Henrich Wagener, der in Katzenfurt seinen Wohnsitz hatte und seinen Sohn Fridrich Christian Wagener, gewesener Fändrich unter der Milice. Dieser Hofprediger Henrich Wagener wurde am 16. März 1699 in der Katzenfurter Kirche beerdigt. Am 13. Juni 1763 wurde sein Sohn Fridrich Christian Wagener, gewesener Fändrich unter der Milice, neben seinem Vater beerdigt.

Alter Chorraum mit Altar und Kanzel 1949Graf Wilhelm Moritz von Solms-Braunfels regierte bis 1694 in Greifenstein. Danach siedelte er nach Braunfels über, das ihm durch eine Erbschaft zugefallen war. Die Grafen von Solms-Braunfels waren schon früh mit allen Untertanen zum reformierten Glauben übergetreten. Das hinderte den Grafen allerdings nicht daran, Sophie Magdalene aus dem Hause der Fürsten von Hessen-Bietigheim zur Gemahlin zu nehmen, die der lutherischen Lehre anhing und auch nicht bereit war, zum reformierten Bekenntnis überzutreten. Die Gräfin erhielt einen eigenen lutherischen Pfarrer, der für die lutherisch Gräfin - neben dem reformierten Gottesdienst einen lutherischen Gottesdienst abhielt.

Autor: Edwin Leidecker

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